![]() Abb. 1: Krabbenspinne beim Beutefang auf Saponaria officinalis
Abb. 2: Bombus terrestris als Nektarräuber an Silene nutans Abb. 3: Bombus lapidarius als legitimer Bestäuber an Silene flos-cuculi |
Einführung in die Blütenökologie Die meisten Pflanzen benötigen, um sich geschlechtlich fortzupflanzen und Früchte, bzw. Samen anzusetzen fremde Hilfe. Die Pollenkörner der männlichen Staubblätter müssen von einer Blüte auf die Narbe, das weibliche Empfängnisorgan, einer anderen Blüte, übertragen werden. Dieser Vorgang wird als "Bestäubung" bezeichnet. Im Gegensatz zur Fremdbestäubung zwischen den Blüten verschiedener Pflanzen wird die Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte, aufgrund der Nachteile die durch Inzucht entstehen, eher gemieden. Als Bestäuber, also Pollenüberträger, können Wind (typisch für Kätzchenblüher und Gräser), Wasser oder Tiere fungieren. Als tierische Blütenbestäuber eignen sich insbesondere kleine flugfähige Tiere, wie Insekten, oder v. a. in den Tropen auch Vögel und Fledermäuse. Damit diese kleinen Helfer die bestäubende Funktion bereitwillig übernehmen, bieten ihnen die Blüten im Tausch als Belohnung eine Zuckerlösung, den Nektar, an oder opfern auch eine kleine Menge des eigentlich zur Bestäubung dienenden Pollens zur Verköstigung der Insekten. So sammeln z.B. Bienen Pollen für ihre Brut und Nektar für ihren Eigenbedarf. Aber auch andere Belohnungen werden zur Anlockung der Blütenbesucher eingesetzt. Teile der Blüten können den Insekten zur Eiablage und Versorgung der Brut dienen, oder es entwickeln sich ganz spezielle Partnerschaften, wenn, z.B. in den Tropen Prachtbienen die parfümartigen Duftsubstanzen von Orchideenblüten sammeln und diese dabei bestäuben. Einige Pflanzen erweisen sich auch als Betrüger, indem sie eine nicht existierende Belohnung vortäuschen. Aasfliegenblumen täuschen z.B. durch ihre Farbe und ihren Geruch verwesendes Fleisch vor, um so Aasfliegen zur Eiblage veranlassen und sie dabei als Bestäuber zu benutzen. Damit die dringend benötigten Bestäuber "ihre" Blüten auch finden, machen die tierbestäubten Blüten meist reichlich Werbung. Sie heben sich durch ihre Farben und Düfte von der Umgebung ab und können so gezielt erkannt und aufgesucht werden. Wie auf einem Markt regulieren dabei Angebot und Nachfrage die Beziehungen und es kann sowohl zur Konkurrenz um Blüten seitens der Bestäuber als auch zur Konkurrenz um Bestäuber seitens der Blüten kommen. Man nimmt an, daß diese Konkurrenz zur Entwicklung von besonders vielen und engen Partnerschaften geführt hat, in denen die Blumen immer besser an die Bedürfnisse der bestäubenden Tiere angepaßt sind und umgekehrt. Im Idealfall kann jedem Typus von Tier ein Blumentyp entsprechen und man unterscheidet daher neben Bienenblumen, auch Tagfalterblumen, Nachtfalterblumen, Fliegenblumen, Käferblumen, Fledermausblumen und Vogelblumen. Innerhalb einer Verwandtschaftsgruppe von Pflanzen können mehrere dieser sog. Bestäubungssyndrome verwirklicht sein. |
|
![]() Abb. 4: Dickkopffalter beim Nektarsaugen auf Silene armeria Abb. 5: Taubenschwänzchen an Dianthus carthusianorum |
Neben der grundsätzlichen Frage "Welche Tierart besucht die Blüten welcher Pflanzenart und dient ihr als Bestäuber?", sind folgende, tiefergehende Fragen zum Verständnis der Tier-Pflanze-Beziehungen von Interesse und werden blütenökologisch untersucht:
Die gewonnenen Kenntnisse über den Reproduktionsmodus der Pflanzen einerseits und das Verhalten der Bestäuber andererseits ermöglichen Schlußfolgerungen über die Reproduktiuonskapazität der Art unter unterschiedlichsten Umwelt- und Konkurrenzbedingungen. Dieses Wissen ist gerade in unserer häufig unter menschlichen Eingriffen leidenden Umwelt von Bedeutung, wenn es darum geht die Folgen von solchen Eingriffen für die Artenzusammensetzung eines gegebenen Biotops abzuschätzen. Die Reproduktionbiologie jeglicher Pflanzenart oder Pflanzengemeinschaft ist letztendlich die Basis für die Erhaltung dieser Art oder Gemeinschaft und die Stabilität einer Population oder eines Ökosystems hängt direkt von der Reproduktionskapazität ihrer Arten ab. |